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Vision und Scheitern der Moderne
Trotz seiner bedeutenden Bauten,
seiner Meisterwerke, seiner
visionären Theorie, seinem
enormen Einfluß auf die
Entstehung der Moderne im Wien um
1900, ist Otto Wagner auch an Wien
gescheitert. Zu groß war das
Beharrungsvermögen der
konservativen Kräfte der ihrem
Ende zutreibenden Monarchie. Es war
nicht nur Neid und Dummheit der
sogenannten Kollegenschaft und der
Politik, das viele seiner Projekte
verhinderte und beispielsweise zu
einer jahrelangen Groteske um seine
Entwürfe für das Kaiser
Franz Joseph-Stadt-Museum
führte. Der Kampf gegen Wagner
liegt anscheinend auch im Schicksal
dieser Stadt begründet, in der
die Vergangenheit bis heute einen
höheren Stellenwert hat als das
Bekenntnis zur Zukunft.
Beim Wettbewerb zur Erbauung des
Kriegsministeriums im Jahr 1908, das
der Postsparkasse genau
gegenüber liegt und an dem sich
66 Architekten, u.a. Otto Wagner,
Adolf Loos und Leopold Bauer
beteiligten, war Ludwig Baumann mit
Billigung des Thronfolgers Erzherzog
Ferdinand als Sieger hervorgegangen.
Baumanns Monument staatlicher
Selbstdarstellung ist das Gegenteil
der Architektur der Moderne.
Die Wagner-Schule
Als Professor an der Akademie der
bildenden Künste konnte Otto
Wagner eine begeisterte Schar von
Schülern aus aller Welt um sich
versammeln. In den zwanzig Jahren
ihres Bestehens waren 191
Schüler inskribiert. Es galt
für die drei Jahre des Studiums
drei Projekte zu entwickeln: Im 1.
Jahr ein Wiener Zinshaus, im 2. Jahr
einen öffentlichen Bau, und im
3. Jahr „die Lösung einer
Aufgabe, welche im Leben wohl nie an
Sie herantreten wird, deren
Durchbildung aber dazu beitragen
wird, den göttlichen Funken der
Phantasie, der in ihnen glimmen
soll, zur leuchtenden Flamme
anzufachen.“
Die Botschaft der Wagner-Schule
verbreitete sich über ganz
Europa. Joze Plecnik in Slowenien,
Viktor Kovacic in Zagreb oder Jan
Kotera in Prag wurden zu den
Begründern der nationalen
Moderne ihrer Länder. Rudolph
M. Schindler wanderte nach
Kalifornien aus, arbeitete für
Frank Lloyd Wright und trug
wesentlich zur Entwicklung der
kalifornischen Moderne bei. Die
regelmäßig in der
Zeitschrift „Architekt“
publizierten Projekte der Schule
wurden von St. Petersburg bis
Barcelona rezipiert. Und die
Architektur des „Roten
Wien“ konnte nur durch die
maßgebliche Mitwirkung der
Wagner-Schüler – Gessner,
Ehn, Schmid, Aichinger, Hetmanek,
Hoppe, Kammerer, Schönthal,
etc. – entstehen.
„Die Grundlage für die
Situationsanalyse der Architektur
kann und muß das System
Wagners sein. Von der gesamten
modernen Bewegung war es das
historisch erste, das exklusivste,
das konkreteste und das erste
ideologisch organisierte System; in
Europa kommt ihm richtungsweisende
Funktion zu, nicht nur auf Grund
seiner vielen Erfolge, sondern auch
weil alle modernen Städte
Europas unter seinem Einfluß
stehen.“ Pavel
Janák, Prag 1910,
Wagner-Schüler.
Die Generalsanierung des Gebäudes 2003 - 2005
Anläßlich ihres
Einhundertjahrjubiläums wurde
die Österreichische
Postsparkasse einer umfassenden
Rückführung und
Generalsanierung (Arch.Prof.Dr.
Diether Hoppe) unterzogen. Dies
betraf vor allem die historisch
besonders bedeutsamen
öffentlichen Bereiche und den
Vorstandsbereich, die
Rückführung von
Innenräumen in den von Otto
Wagner intendierten Bauzustand, die
Restaurierung der großen
Kassenhalle sowie der darüber
liegenden historischen
Stahl-Glas-Dachkonstruktion und die
Errichtung eines neuen Schutzdachs
über dem Fliesenhof zum Schutz
der darunter liegenden historischen
Bausubstanz.
Der lange Zeit nicht mehr
öffentlich zugänglicher
Kleine Kassensaal, im zweiten
Bauabschnitt des Gebäudes
gelegen, wurde mit dem Großen
Kassensaal mittels
Durchgangsräumen verbunden.
Hier wurde das nun neu geschaffene
Museum „WAGNER:WERK“ mit
einem Medienraum und einem
Museumsshop situiert und Besuchern
zugänglich gemacht.
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