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Der Gründer der Österreichischen Postsparkasse Georg Coch
Die Biografie von
Gründerpionieren spiegelt sich
auch in der Geschichte von
Finanzinstitutionen wider. Dies gilt
in besonderem Maß für die
Österreichische Postsparkasse
und ihren Gründer, den aus
Hessen gebürtigen Georg Coch.
Coch wurde am 11. Februar 1842 in
Hesserode bei Kassel geboren. Wegen
der wirtschaftlich gespannten
Verhältnisse seines
Elternhauses (sein Vater starb, als
Georg acht Jahre alt war), konnte er
lediglich einige Monate in Genf eine
weiterführende Erziehung
genießen. Er absolvierte er
eine kaufmännische Ausbildung
im Großhandelshaus seines
Onkels, der Firma „Matthieu
Frères & Cie“ in
Istanbul und übersiedelte
danach nach Wien. 1880 erhielt er
vom Handelsminister den Auftrag, das
ausländische
Postsparkassenwesen – zwanzig
Jahre zuvor in Großbritannien
erfolgreich eingeführt - auf
seine Realisierbarkeit in
Österreich hin zu untersuchen.
Coch reiste zunächst nach
England, um ein System zu entwerfen,
das ein Zentralinstitut mit seinen
externen Sammelstellen zu
verknüpfen imstande war. Diese
Erfordernisse konnten nicht 1:1 von
Großbritannien auf andere
Länder übertragen werden,
sondern benötigten eine Planung
der Betriebsabläufe bis ins
kleinste Detail. Er legte eine
umfangreiche Dokumentensammlung an,
die schließlich in seinem
Bericht „Die Postsparcassen in
England, Belgien, Holland und
Frankreich mit Hinblick auf
Österreich“
veröffentlicht wurde. Die
Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Einführung waren
nun geschaffen. Am 12. Jänner
1883 wurde das „k.k.
Postsparcassen-Amt“
eröffnet und Georg Coch mit der
Leitung betraut.
Der Erfolg der neugegründeten
Postsparkasse war
überwältigend, binnen
sieben Wochen waren bereits 200.000
Konten eingerichtet. Dieser Erfolg
stärkte Cochs Position, rief
aber auch seine Gegner auf den Plan.
Nach nur drei Jahren im Amt wurde
Coch wegen eines von ihm
bewußt in Kauf genommenen
Formalfehlers bei der Verordnung zum
Organisationsstatut der PSK 1886
vom Finanzminister seiner Funktionen
entbunden und vom Kaiser aus dem
Staatsdienst „in Ehren“
entlassen.
Er starb 1890, im Alter
von 48 Jahren, in Konstantinopel an
einem Herzversagen.
Erfolg und Wachstum 1883 – 1900
Nach den experimentierfreudigen
Gründungsjahren unter der
Leitung Georg Cochs begann sich das
Postsparkassenamt mehr und mehr zu
konsolidieren. Die
ursprüngliche Konstruktion als
Bank der kleinen Leute erwies sich
bald als zu kurz gegriffen, erst mit
der Einführung des bargeldlosen
Geldverkehrs (Scheckverkehr) begann
das Institut, Gewinne zu
erwirtschaften. Dieser
Geschäftszweig war sogar noch
erfolgreicher als der Sparverkehr
und verhalf dem Scheckverkehr in
ganz Österreich zum Durchbruch.
Zur Jahrhundertwende waren bereits
über 2000 Beamte im Amt
tätig. Der Expansion der
Geschäftstätigkeit und der
steigenden Anzahl der Bediensteten
waren die Büros und
Amtsräume der Postsparkasse zur
Jahrhundertwende immer weniger
gewachsen. Vorerst reagierte man mit
Provisorien und hastigen
Zumietungen, wie zum Beispiel in der
Schönlaterngasse (1891), der
Bäckerstraße (1894) und
durch einen hofseitigen Zubau im
Dominikanerkonvent. Dennoch waren
die Arbeitsbedingungen so schlimm
geworden, daß darüber die
Zeitungen zu berichten begannen. Als
im Dezember 1906 das neue Haus, Otto
Wagners Postsparkassen-Amt, bezogen
wurde, atmeten im wahrsten Sinn des
Wortes alle auf.
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