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Möbel und Innenräume
Otto Wagner erweiterte das
traditionelle Berufsbild des
Architekten. Für die
Postsparkasse gestaltete er die
gesamte Inneneinrichtung -
Bodenbeläge,
Wandtäfelungen, Teppiche,
Heizkörper, Lampen, Uhren,
Türschnallen, Stehpulte,
Schalter, Hocker, Sitzbänke,
Sessel, Schreibtische,
Kleiderschränke, Etageren,
Safes, alles wurde von ihm
entworfen.
Die Materialien wie auch
die Konstruktionsweise wurden
aufgrund seines Kostenbewusstseins
auf größtmögliche
Haltbarkeit hin ausgewählt.
Darüber hinaus benützte
Wagner den bewußten
Materialeinsatz zur Definition
hierarchischer Strukturen. Drei
unterschiedliche Bereiche waren
einzurichten: der öffentliche
Parteienverkehr, die
Repräsentationsräume der
Direktoren und die interne
Manipulation.
Anhand der
verschiedenen Ausführungen des
Armlehnstuhls (Thonet Modell Nr.
6516) ist dies am deutlichsten
ablesbar. Im Direktionsbereich ist
der Stuhl aus mahagonigebeiztem
massivem Buchenholz, der Sitz ist
mit Velours gepolstert, die hohen
Fußmanschetten sind in Messing
ausgeführt.
Eine hierarchische
Ebene darunter findet sich das
gleiche Modell grau gebeizt,
Armlehnen und Füße sind
mit Aluminiumbeschlägen und
–manschetten versehen. Sie
sind dadurch gegen Abnützung
geschützt, gleichzeitig wird
damit aber auch die Kostbarkeit des
Geschützten und dessen
Kunstwert betont.
Die einfachste
Ausführung, die in den Kleinen
Büros eingesetzt wurde, weist
eine Sitzfläche aus
perforiertem Sperrholz auf.
Zu den Höhepunkten der Wiener
Möbelgeschichte gehört
Otto Wagners Postsparkassenhocker,
der im Großen Kassensaal
Verwendung findet. Aus fünf
einzelnen Bugholzrahmen
zusammengefügt, mit einem Sitz
aus perforiertem Sperrholz, war er
billig in der Herstellung (10,50
Kronen) und einfach in der
Konstruktion. Die Schraublöcher
wurden mit Aluminiumscheiben
abgedeckt, betonen die Konstruktion
und sind gleichzeitig Dekorelement,
das das Materialschema des
Gebäudes aufnimmt.
Das Farbschema des Gebäudes
– Weiß, Grau, Schwarz,
Silber – wird nur in den
Repräsentations-räumen
durchbrochen: hier herrschen Rot
(Direktionszimmer) und Grün
(Empfangsräume).
Diese
Räume sind mit 2,20 m hohen
Täfelungen verkleidet, die Wand
darüber mit gestreiften
Stofftapeten in der jeweiligen
Zimmerfarbe. Auf den
Parkettböden lagen Teppiche,
die von der Fa. Joh. Backhausen nach
Entwürfen Wagners angefertigt
wurden.
Heute noch erhalten ist der
graue Originalteppich im
Großen Sitzungssaal mit einer
imposanten Größe von
11,10 x 5,50 Metern.
Die Materialien
Bereits 1895, in seinem Werk
„Moderne Architektur,
erläutert Otto Wagner die
Vorteile der modernen
Fassadenverkleidung gegenüber
der traditionellen Baumethode aus
„Steinschichten“ und
„Steinblöcken“, die
„an die Bauweise der alten
Römer“ erinnern. Die
Stein- und Marmorplatten der Fassade
der Postsparkasse mußten
hauptsächlich wegen der
Raschheit, mit der zu bauen war,
angenagelt werden. 17.000 Nägel
aus Eisen, mit Blei verkleidet und
Aluminium überzogen, wurden
dafür verwendet.
Auch für die Konstruktion und
den Innenausbau verwendete Wagner
die damals modernsten technischen
Lösungen. Der große
Mittelhof über dem Kassensaal
ist weiß verkachelt. In den
vom Publikum benutzten Räumen,
Gängen und Stiegen sind die
Wände mit Marmor und Glas
belegt. Sämtliche Büros
sind einfach weiß gestrichen,
nur die unteren Partien der
Wände sind durch Holzleisten
und dunklere Tapeten geschützt.
Der Bodenaufbau stellt ebenso eine
gewagte neue Lösung dar:
Auf die rohe Betondecke wurde direkt
eine Schicht Asphalt aufgetragen und
in diesem noch weichem Material ein
Eichenbrettelboden sozusagen klebend
verlegt. Bei der Verwendung des
Linoleums als Bodenbelag betont
Wagner dessen leichte
Auswechselbarkeit, und verlegt ihn
vertieft, um Stolperfallen zu
vermeiden, in einen Rahmen aus
„Granitto“, einer
Terrazzoversion.
Die Verwendung eines
Glasprismen-Fußbodens im
Kassensaal, um die darunter
befindlichen Räume zu
belichten, erscheint Wagner geradezu
selbstverständlich. Er verweist
in der Beschreibung dessen nicht nur
auf die Realisierung in der von ihm
geplanten k. k. priv. österr.
Länderbank, sondern auch auf
französische Beispiele von
Banken, „in welch letzterem
Glasfußböden sogar durch
2 Stockwerke mit Erfolg verwendet
werden“.
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| WAGNER:WERK - MUSEUM POSTSPARKASSE - Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien |
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