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Als Beitrag zu den 2009 stattfindenden grenzüberschreitenden Kulturprojekten zwischen Tschechien und Österreich zeigt das WAGNER:WERK Museum Postsparkasse in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag die Ausstellung „cubiCZmus! Die Dekonstruktion der Moderne in Prag“. Die am Ausstellungsort stattfindende Konfrontation der Wagnerschen Moderne mit dem darauf reagierenden tschechischen Kubismus visualisiert These und Antithese in der Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Die moderne Architektur Otto Wagners versus die Architektur des tschechischenKubismus
In Otto Wagners Postsparkasse (1904–1912) findet die frühe Moderne des 20. Jahrhunderts mit allen ihren Überlegungen einer modernen, der Funktion verpflichteten Architektur ihre Vollendung.
Otto Wagner hat mit diesem Schlüsselbau alle seine theoretischen Überlegungen in gebaute Architektur und gestaltetes Interieur umgesetzt.
In Tschechien war das Architekturkonzept Wagners synonym mit den architektonischen Bestrebungen der Moderne, zumal der Wagner-Schüler Jan Kotëra als Professor an der Prager Kunstakademie und Gründer der Architekturklasse großen Einfluss auf die nachfolgende Architektengeneration ausübte. In seinem Atelier arbeitete 1908/09 neben Josef Gocár auch der Begründer des tschechischen Kubismus, Pavel Janák.
Janák forderte eine neue plastische Gestaltung, die es seiner Meinung nach in der modernen Architektur à la Wagner nicht gab, und wollte durch die Überwindung der asketisch-moralisierenden Moderne den Weg frei machen für die Architektur schlechthin – einer idealen, einzig und allein gültigen Architektur. Konstruktion und Material spielen eine untergeordnete Rolle.
Daraus resultierend entstand eine dramatisch expressive Architektur voll der Ecken und Kanten, mit deformierten, aufgesplitterten und wieder zusammengesetzten Fassaden. Die zweidimensionale Ebene wird verlassen, es erscheinen kantige Reliefs mit einem ständigen Heraus und Hinein von aneinanderstoßenden Schrägen, die eine dramatische Licht-Schattenwirkung erzeugen.
Zu den wegweisenden kubistischen Bauten zählen Josef Gočárs "Haus zur Schwarzen Muttergottes" in der Celetná-Gasse, das heute das ‚Kubista’-Museum beherbergt, Josef Chochols Villa Kovařovic auf dem Vyšehrad sowie sein Mietshaus in der Neklanová Straße, Pavel Janáks Einfamilienhaus Jakubec in Jičín und sein umgebautes Barockhaus in Pelhřimov.

Der Begründer des tschechischen Kubismus Pavel Janák
Pavel Janák absolvierte ab 1899 sein Studium an der Tschechischen Technischen Hochschule in Prag bei Prof. J. Schulz. 1906 ging er nach Wien, wo er bei Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste studierte. 1908 kehrte er nach Prag zurück, wurde Mitarbeiter im Architekturbüro von Jan Kotěra und trat dem Künstlerverein Mánes bei. Im selben Jahr war er an der Gründung der Künstlergenossenschaft Artĕl beteiligt. Als Vorbild diente den Initiatoren die Wiener Werkstätte, deren Arbeiten Janák bereits von seinem Wienaufenthalt her bekannt waren. In stilistischer Hinsicht jedoch strebte die Gruppe eine Überwindung des Wiener Einflusses an und versuchte früh, einen eigenen, spezifisch tschechischen Weg zu gehen.
Der französische Kubismus in der bildenden Kunst bot hierzu eine Fülle neuer Möglichkeiten: Maler wie Pablo Picasso oder Georges Braque zerlegten auf ihren Bildern Gegenstände in kristalline
dreidimensionale Formen, splitterten sie so stark auf, dass die Gegenständlichkeit gerade noch gewahrt blieb. Auf dem zweidimensionalen Bildträger entstand ein ins Malerische übersetztes Relief,
aufgebaut aus einer Vielzahl von eckigen, kantigen, vor allem aber fragmentierten Detailformen.
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Zusammen mit den Architekten Josef Gočár, Vlastislav Hofmann und Josef Chochol sowie weiteren Kunsthandwerkern entwickelte Pavel Janak einen kubistischen Formenkanon für Kunsthandwerk und Architektur. Nach Paris wurde Prag ab 1909 zum zweitwichtigsten Zentrum des kubistischen Stils in Europa.
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Der tschechische Kubismus in der angewandten Kunst
Die kubistischen Architekten wollten ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Interieur und Möbeln und lehnten die Priorität der Funktionalität und Zweckmäßigkeit ab: „Wir wollen nichts Zweckmäßiges herstellen,, wir erfinden Kunstdinge… das Zweckmäßige herzustellen, überlassen wir den Epigonen“. Die Möbel zerlegten sie in Bauelemente, sie brachen die Flächen zu rechten Winkeln, sie entwarfen Formen, die der Statik und Funktion widersprachen. Die übliche Tischlertechnik reichte für die komplizierten Entwürfe nicht aus, es war notwendig, die schiefen und abgeschrägten Teile mit verschiedenen Versteifungen, die das Gewicht der ohnehin voluminösen Stücke erhöhten, zu befestigen.
Mit Entwürfen für Gebrauchsgegenstände aus Keramik, Glas oder Metall bewiesen die Künstler gewissermaßen im kleinen Maßstab die Gültigkeit und Umsetzbarkeit der kubistischen Theorien von der Dynamisierung der Form und des Durchdringens geometrischer Körper. Prototyp des kubistischen Artefakts wurde zweifellos Pavel Janáks Prismendose aus weißlichem Steingut, die an aus Papier gefaltete Origami erinnert und als Dekor schwarze Linien aufweist, die die Kanten der dreieckigen Polyeder betonen. Vom Typ her wiederholen sie, ebenso wie die kubistischen Möbel allgemein, traditionelle Formen, die des Dekors entledigt und auf die Form abstrahiert sind.
Der tschechische Kubismus nahm eine Reihe späterer Strömungen vorweg und verhalf einem im Umbruch befindlichen Staat zu erstärkter kultureller Identität. Dieses national-patriotische Experiment war getragen von einer derartigen Überzeugungskraft, dass es weit mehr als eine bloße Episode innerhalb der europäischen Kulturgeschichte oder einen Rekurs auf die eigene nationale Tradition darstellt.
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cubiCZmus! Die Dekonstruktion der Moderne in Prag
30. Juni bis 29. August 2009, Mo – Fr 9 bis 17 Uhr, Sa 10 – 17 Uhr
WAGNER:WERK Museum Postsparkasse/ Grosser Kassensaal
BAWAG P.S.K., Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien
T: ++43/1-53453-33088
F: ++43/1-53453-33087
M: museum@ottowagner.com
www.ottowagner.com
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag.
Katalog ”cubiCZmus! Die Dekonstruktion der Moderne in Prag“
120 Seiten, ca. 70 Farb- und 40 SW-Abb.
ISBN 978-320001564-7, Preis € 25
Erhältlich im Museumsshop WAGNER:WERK Museum Postsparkasse
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| WAGNER:WERK - MUSEUM POSTSPARKASSE - Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien |
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