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Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde in Nordböhmen das Schleifen von Edel- und Kompositionsteinen, das bereits
eine lange Tradition hatte, zum wichtigsten Industriezweig. Zahlreiche Firmen hatten sich über die Jahrhunderte dort
angesiedelt und Dutzende von Lohnarbeitern und Hunderte von Heimarbeitern beschäftigt. So wurde 1884 auch in Turnau, in
der Blütezeit des Schleifens von Edelsteinen, im Zuge von Neugründungen von Fachschulen vom Kultus- und
Unterrichtsministeriums der k.u.k. Monarchie die Fachschule für das Schleifen und Fassen von Edelsteinen ins Leben
gerufen. Zu dieser Zeit gab es in Nordböhmen bereits Glasgewerbeschulen, aber auch die Kunstgewerbeschule für Bijouterie
in Gablonz an der Neiße, die wie die Turnauer Fachschule an die regionale Gewerbetradition anknüpften und zur Steigerung
des kunsthandwerklichen Niveaus der heimischen Schmuckerzeugung beitragen sollten.
Nach kurzer Zeit bereits hatte sich
die Fachschule einen Namen gemacht und wurde 1904 mit künstlerischen Arbeiten zu der legendären Weltausstellung nach St.
Lois (USA) eingeladen. Im Unterschied zu den Fachschulen im nahegelegenen deutschsprachigen Grenzgebiet profilierte sie
sich von vornherein als tschechische Schule, was sich nicht nur bei der Vergabe der Lehrerstellen zeigte, sondern auch
die Schülerstruktur beeinflußte und die Orientierung an der Tradition des nationalen Kunsthandwerks betonte. Professoren,
in der Regel Absolventen der Prager Kunstgewerbeschule oder der Akademie der bildenden Künste, aber auch aus den Reihen
anerkannter Prager oder Turnauer Handwerker stammende Werkstattleiter sorgten von Anfang an für ein hohes fachliches
Niveau des Unterrichts.
Die Schularbeiten aus den Anfangsjahren stehen im Zeichen des Historismus, wurden aber anfangs des Schuljahres 1900 - 1901 sehr rasch vom Jugendstil
abgelöst. Die Orientierung am französischen Art Nouveau verdankt die Schule einer Exkursion des Direktors Josef Mašek mit Professoren der Gablonzer
Schule zur Pariser Weltausstellung, wo sie vor allem von den Arbeiten René Laliques beeindruckt waren. Einzigartig unter den Fachschulen des
damaligen Europas war die Zusammenarbeit der Schleifer-, Glyptik- und Goldschmiedewerkstätten innerhalb einer einzigen Institution. Dies führte zur
Entstehung künstlerisch und handwerklich hervorragender Arbeiten, wie Schmuckstücke oder Steingravuren, sowie einzigartiger Gefäße, die aus
Edelsteinen geschnitten wurden. Farblich akzentuierte Form, Fläche oder Detail wurden vor allem mittels des plastischen Schnitts in den Edelstein
hergestellt. Aus der Zusammenarbeit entstanden aber auch interessante Einzelstücke, wie Kerzenhalter, Schüsseln und Pokale mit plastisch
geschliffenen Steinen oder Gravuren.
Bei einem Blick in das Archiv der Schule in Turnau tritt die Zeit von 1900 bis zum Ende der 40er Jahre deutlich als Glanzzeit hervor. Sie zeigt eine
breite Ausdruckskala: Luxuriöse Muster des Sezessionssymbolismus, frische Applikationen des Art déco, rationalen Konstruktivismus, den Optimismus der
jungen Republik, existenzschwere Töne in den Jahren des Weltkrieges und die darauf folgende Nostalgie nach dem Erwachen aus dem Traum eines neuen
Europas. Die Exponate dieser Ausstellung erzählen insofern nicht nur über die Schule in Turnau aus der Zeit der größten Erfolge, sondern spiegeln in
besonderer Weise auch die künstlerische Atmosphäre der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider.
| Ausstellung |
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VOM JUGENDSTIL ZUM ART DÉCO |
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| Ausstellungsdauer |
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1. April - 10. Mai 2008 |
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| Öffnungszeiten |
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Mo und Do von 8.30 – 17.30 Uhr
Di, Mi, Fr 8.30 – 15.00 Uhr
Samstag 10.00 - 17.00 Uhr
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| Ausstellungskuratoren |
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Miroslav Cogan
Muzeum Ceského ráje, Turnov
Monika Wenzl-Bachmayer
WAGNER:WERK
Museum Postsparkasse
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| Konzept und Organisation |
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Monika Wenzl-Bachmayer
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| Katalog |
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VOM JUGENDSTIL ZUM ART DÉCO.
Die Sammlung der Fachschule
für Schmuck und Edelsteine in Turnov
86 Farbabbildungen,
6 SW-Abbildungen, 64 Seiten
Erhältlich im Museumsshop
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| Information |
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www.ottowagner.com/museum
T +43 1 534 53 DW 33825
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| Eintritt |
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Großer Kassensaal:
Eintritt in die Sonderausstellung frei!
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| Museum WAGNER:WERK |
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Eintritt Euro 5,00
Euro 3,50 ermäßigt
(Schüler, Studenten, Senioren und Gruppen)
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| Eintritt frei für: |
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Kunden der BAWAG P.S.K. gegen Vorweis ihrer Kundenkarte
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