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Beim Bau der Postsparkasse 1904–1906
hatte Otto Wagner bereits einige
Erfahrung mit dem Material Aluminium
– er hatte es davor für die Fassade
der Zeitungsredaktion „Die Zeit“
eingesetzt. Das Material galt in
seiner damaligen Seltenheit noch als
außerordentlich wertvoll, nur mit
Titan oder feinen Silberlegierungen
zu vergleichen. Obendrein war der
matte Glanz polierten Aluminiums in
seiner noblen Wirkung dem Silber und
dessen vielen Imitaten weit
überlegen.
Aluminiumummantelte Säulen, die das
Glasdach der zentralen Kassenhalle
durchstoßen, Lampenfassungen aus
Aluminium mit nackten Glühbirnen,
technoide Heizungssäulen, die den
Großen Kassensaal belüften – am
Ausstellungsort selbst nimmt die
Geschichte des Aluminiumdesigns
seinen Anfang. Modern, geradezu
atemberaubend sind die
Beschreibungen seiner technischen
Eigenschaften – korrosionsfest,
leicht, durch Guss einfach
verformbar und in seiner Oberfläche
grau edelmatt schimmernd. Was wurde
aus diesem wunderbaren Material
gemacht? Ein Prunkhelm der
berittenen adeligen Leibgarde des
Kaisers, Säbel, Lampen, Staubsauger,
Kameras, Likörgarnituren – die
frühen Verwendungen des Aluminiums
verweisen auf seine ursprüngliche
Werthaftigkeit. Dem Vorlauf einer
industriellen Nutzung – die u.a.
durch eine Wiener Publikation
(Joseph Klaudy, Die technische
Bedeutung des Aluminiums und dessen
voraussichtliche Zukunft, 1892)
angeregt wurde – ist der erste
Zeitabschnitt von 1806 bis etwa 1890
gewidmet.
Zwischen 1890 und 1912 liegt nicht
nur Otto Wagners Gebrauch des
Aluminiums, sondern ein enormer
Schub der Modernisierung. Auf der
Seite einer neu entstehenden
Industrie gibt es Massenprodukte:
Töpfe, Pfannen, Kämme,
Lockenwickler, Flaschen, Bestecke.
Die eigentliche Moderne kann
zwischen den beiden Weltkriegen
angesiedelt werden, muß aber auch
den militärischen Gebrauch des
Metalls berücksichtigen, der durch
neue Legierungen und
Produktionsformen ermöglicht wurde.
Luftschiffe und Flugzeuge wurden
gebaut, leicht und doch
verwindungssteif, selbst bei
größeren Konstruktionen in sich
stabil; hier bewährt sich das
Aluminium auf Anhieb, vor allem bei
der Montage mittels Nieten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt
Aluminium, das bis dahin überwiegend
in der Flugzeugindustrie Verwendung
fand, als erstes Metall Einzug in
alle Haushalte. 1922 ließ William H.
Hoover seine bis dato aus Blech und
Holz gefertigten Staubsauger in
Aluminiumbleche einkleiden, in eine
Form, die ihre Herkunft aus dem
Flugzeugtank kaum kaschieren konnte.
Die große Zeit des Design-Materials
Aluminium kam mit einer Entwicklung,
die für den deutschen Sprachraum als
„Stil 1930“ skizziert, im englischen
Sprachgebrauch mit dem „streamline
design“ bezeichnet wurde.
Mit den 1960er Jahren, die sich um
eine „Erweiterung des Kunstbegriffs“
(Joseph Beuys) und um die
Integration des (auch politischen)
Alltags in die Kunst bemühten, kam
auch das Design in die Sphären von
Aktionskunst, Fluxus und anderen
künstlerischen Bewegungen. Tisch und
Sessel namens „Galaxy“ von Walter
Pichler aus dem Jahr 1969 finden
sich noch in einer ähnlich schroffen
Formkonsistenz wieder wie die
Wagner’schen Warmluftbläser, während
die Objekte von Heinz Frank bereits
ein Verweis auf die
Selbstähnlichkeit als Wiederholungs-
oder Post-Moderne sind.
Heute sind es vor allem zwei
Produkte, die den Übergang vom
Massenprodukt Aluminium zur
Grundlage eines allumfassenden
Recyclingmaterials demonstrieren:
Alu-Folie und Alu-Dose, die seit
Mitte der 1990er Jahre durch die
getrennte Entsorgung wieder ohne
schlechtes Gewissen benutzt werden
können.
So verfolgt die Ausstellung die
Wirkung des Aluminiums als
materielles Zeichen durch die
Moderne hindurch, mit dem
Hauptaugenmerk auf der
Wirkungsästhetik, die sich vom
Metall selbst längst gelöst hat. Der
Bezug auf Otto Wagner geht über die
reine Bauaustattung hinaus und
verweist auf immaterielle Bezüge
zwischen Bauaufgabe und
Materialeinsatz. Der Wert von
Aluminium mag fallen oder steigen;
symbolisch bleibt es ein Metall mit
den Eigenschaften der Moderne, auch
und gerade in der Architektur und im
Design.
Ausstellungsfolder als Download (PDF 209 KB)
| Ausstellung |
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ALUMINIUM.
DER GLANZ DER MODERNE |
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| Ausstellungsdauer |
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3. Juli – 1. September 2007 |
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| Öffnungszeiten |
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Mo, Di, Mi und Fr
von 8.00 – 15.00 Uhr
Do 8.00 – 17.30 Uhr
Samstag 10.00 - 17.00 Uhr
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| Information |
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www.ottowagner.com/museum
T +43 1 534 53 DW 33825
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| Eintritt |
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Großer Kassensaal:
Eintritt in die Sonderausstellung frei!
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| Museum WAGNER:WERK |
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Eintritt Euro 5,00
Euro 3,50 ermäßigt
(Schüler, Studenten, Senioren und Gruppen)
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| Eintritt frei für: |
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Kunden der BAWAG P.S.K. gegen Vorweis ihrer Kundenkarte
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| Kuratoren: |
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Rolf Sachsse, Monika Wenzl-Bachmayer
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| Katalog |
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ALUMINIUM.
DER GLANZ DER MODERNE.
Hg. Monika Wenzl-Bachmayer
Mit Beiträgen von Rolf Sachsse,
Gerhard Kaldewei und Wittigo Keller
104 Seiten, 96 Abbildungen
ISBN 978-3-200-00958-5
Euro 20,00
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| WAGNER:WERK - MUSEUM POSTSPARKASSE - Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien |
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