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Fotografierte Architektur auf Ansichtskarten 1919 - 1939
Sie wurden zu Milliarden verschickt,
waren billig und schafften es in
zwei Tagen durch ganz Europa: Vor
knapp 130 Jahren war die Postkarte –
1869 in Österreich und ein Jahr
später in Deutschland offiziell
eingeführt – das schnellste aller
Kommunikationsmittel. Jede Schule,
jeder Bahnhof, jedes öffentliche
Gebäude hatte seine Ansichtskarte,
und so wurden auch die
revolutionären neuen Bauten des
frühen 20. Jahrhunderts, die vom
Bauhaus oder dem Werkbund geprägt
waren, auf Postkarten abgebildet.
Bildpostkarten wurden von Anfang
ihrer Herstellung und Verbreitung an
gesammelt – als flüchtiges Medium
durch ihren Gebrauch, als kaum
beachtenswert durch ihre massenhafte
Existenz. Der Versender konnte nie
ganz sicher sein, dass die
ausgewählte und abgeschickte Karte
unzensiert oder überhaupt ihren
Bestimmungsort erreichte.
Das Senden
und Empfangen von Bildpostkarten war
zumindest in den ersten Jahrzehnten
ein Spiel zur Auslotung der Grenzen
von Zensur und Geschmack, und eine
spielerische Ebene hat sich bis
heute erhalten – gerade angesichts
der künstlerischen Ausdrucksformen
von Mail Art und Konzeptkunst seit
den 70er Jahren. Immer noch geht es,
wie bei den frühesten Karten, um
eine Differenz zwischen Öffentlichem
und Privatem: Neben der Mitteilung
von Sender und Empfänger kann und
darf ein unbestimmbarer Kreis von
zufälligen Wahrnehmern gestreift
werden.
Breitenwirkung bedeutet Werbenutzen:
Architekten entdeckten und
etablierten die Postkarte als
Werbemittel für ihre Bauten und
architektonischen Positionen. Die
Karten trugen das Bild vom
„Neuen Bauen“ in die
ganze Welt. Eher zufällig und
unbemerkt entstand so in der
Zwischenkriegszeit der
größte Bilderschatz der
Moderne in Deutschland, ein
einzigartiges Archiv der
europäischen Fotografie- und
Architekturavantgarde.
Die Moderne begann sich zu
formieren: Viele der in der
Ausstellung gezeigten Postkarten
stammen aus dem Umfeld großer
Ausstellungen wie der „GeSoLei“
(Gesundheit, soziale Fürsorge und
Leibesübungen) 1926 – mit 400.000 m2
die größte Ausstellung der Weimarer
Republik –, der „Pressa“
(Internationale Presseausstellung)
in Köln 1928 oder der Manifestation
der Moderne schlechthin, der
Ausstellung „Die Wohnung“,
veranstaltet vom Deutschen Werkbund
in Stuttgart 1927 unter der Leitung
von Mies van der Rohe.
Spätestens mit den
Bauhaus-Bauten von Walter Gropius
wurde die Architektur weiß,
was unweigerlich dazu führte,
dass der Himmel über den
Bauten dunkel zu sein hatte
– menschenleer unter
möglichst tiefstehender Sonne
mit starkem Schlagschatten
fotografiert und vor einem
dunkelgrauen bis fast schwarzem
Himmel inszeniert. Lucia Moholys
fotografierte Ansichten des
Bauhauses waren bereits bis zur
Kunstlosigkeit sachlich, ihr
eigener Gestaltungswille tritt
hinter der uninszenierten
Schilderung des Gegebenen
vollständig zurück.
Insofern kann die Postkartenserie
zum Bauhaus in Dessau auch als
klarste Manifestation einer
ethisch fundierten und moralisch
anspruchsvollen Moderne in den
20er Jahren gelten.
Kein Warenhauskonzern setzte die
architektonische Gestaltung seiner
Häuser so gezielt ein wie die
Firma Schocken, 1929
fünftgrößter
Warenhauskonzern Deutschlands, ab
1933 Zielscheibe antisemitischer
Ausschreitungen und noch im selben
Jahr verkauft. Der Architekt Eric
Mendelsohn schuf binnen weniger
Jahre mit den glatten, oftmals
leicht geschwungenen Fassaden der
Häuser, mit
Fensterbändern für den
Tag und Lichtbändern für
die Nacht, eine feste Corporate
Identity des Konzerns, die noch
immer wirkt, auch wenn das
Warenhaus längst vergessen
ist.
Waren die Dessauer Postkarten noch
eher Werbemittel denn Gruß
vom Besuch, so dürfte es bei
den großen Wohnsiedlungen
anders gewesen sein: die Bewohner
und Bewohnerinnen waren stolz auf
ihre moderne Wohnung. Sie
berichteten Freunden und
Verwandten mit Modernen
Grüßen vom jeweiligen
Umzug. Die Identifikation der
ersten Generation von Bewohnern
war sehr hoch, was vor allem
konservative Politiker,
später dann die
Nationalsozialisten beunruhigte
– und so mag die gerade
heute eher befremdliche Kahlheit
der Bilder ohne Baum und Strauch
als Zeichen des neuen, befreiten
Wohnens verstanden werden, um das
es den Protagonisten vordringlich
ging.
Moderne Grüße wurden
ebenso gesammelt wie versandt.
Wirklich moderne Menschen der
ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts hingegen nutzten
Telefon und Telegrafie, Radio und
Kino, schnelle Züge oder
Schiffe und die ersten Flugzeuge.
Modernes Leben war von Tempo
bestimmt, von Fahrrad und
Motorrad, von täglichen
Zeitungen und wöchentlichen
Zeitschriften, von
vielfältigen, darunter auch
visuellen Informationen. Moderne
Grüße mittels
Bildpostkarten sind demnach ein
Anachronismus, ein altes Medium in
moderner Zeit. Das hat ihren
Erfolg jedoch nicht verhindert.
Die Bildpostkarte begann ihren
Siegeszug als Teil der Vormoderne.
Als die moderne Architektur auf
den Bildern angekommen war,
brauchte diese keine Beweglichkeit
mehr zu signalisieren. Sie wurden
vielmehr ein Teil eines
großen Projektes, das bis
heute noch nicht zum Ende gekommen
ist.
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Ausstellungsfolder als Download (PDF 233 KB) |
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MODERNE GRÜSSE
Fotografierte Architektur
Auf Ansichtskarten 1919 - 1939
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| Ausstellungsdauer |
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14. März – 20. April 2006 |
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| Öffnungszeiten |
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Mo, Di, Mi und Fr
von 8.00 – 15.00 Uhr
Do 8.00 – 17.30 Uhr
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| Information |
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www.ottowagner.com/museum |
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| Eintritt |
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Großer Kassensaal:
Eintritt in die Sonderausstellung frei!
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| Museum WAGNER:WERK |
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Eintritt Euro 5,00
Euro 3,50 ermäßigt
(Schüler, Studenten, Senioren und Gruppen)
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| Eintritt frei für: |
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Kunden der BAWAG P.S.K. gegen Vorweis ihrer Kundenkarte
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Ausstellungskurator, Ausstellungsarchitektur |
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Bernd Dicke |
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| Konzept und Organisation |
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Monika Wenzl-Bachmayer |
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| Katalog |
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MODERNE GRÜSSE
Fotografierte Architektur auf Ansichtskarten
1919 – 1939
Hrsg. Kirsten Baumann und Rolf Sachsse.
Gesammelt, konzipiert und ausgewählt von
Bernd Dicke; deutsch/englisch, 216 S. m. 163 .
( 6 farb.) Abb. Arnoldsche Art Publisher, Stuttgart, 2004.
Sonderpreis während der Ausstellungsdauer:
Euro 22,00 (Ladenpreis Euro 24,00).
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Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
T +43 1 534 53 DW 33088
F +43 1 534 53 DW 33087
E museum@ottowagner.com
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| WAGNER:WERK - MUSEUM POSTSPARKASSE - Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien |
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