ÖSTERREICHISCHE POSTSPARKASSE
Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien

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Möbel und Interieurs

Fauteuil

Fauteuil

Ruhebett aus dem Büro eines Abteilungsleiters

Ruhebett aus dem Büro eines Abteilungsleiters

Armlehnstuhl, Thonet Modell Nr. 6516

Armlehnstuhl, Thonet Modell Nr. 6516

Armlehnstuhl, Thonet Modell Nr. 6516

Armlehnstuhl, Thonet Modell Nr. 6516

Postsparkassenhocker

Postsparkassenhocker

Otto Wagner, Servante aus dem Büro eines Abteilungsleiters

Otto Wagner, Servante aus dem Büro eines Abteilungsleiters

Etagere

Etagere

Tisch

Tisch

Das Sonnenblumenzimmer

Das Sonnenblumenzimmer

Das heutige Gouverneurszimmer

Das heutige Gouverneurszimmer

Großer Sitzungssaal, heute

Großer Sitzungssaal, heute

Buchungsbüro

Buchungsbüro

Hauptfassade vom Ring

Hauptfassade vom Ring

Der große Kassensaal, 1906

Der große Kassensaal, 1906

Schließfächer, 1906

Schließfächer, 1906

Großer Sitzungssaal, 1906

Großer Sitzungssaal, 1906

Otto Wagner erweiterte das traditionelle Berufsbild des Architekten. Für die Postsparkasse gestaltete er die gesamte Inneneinrichtung – Bodenbeläge, Wandtäfelungen, Teppiche, Heizkörper, Lampen, Uhren, Türschnallen, Stehpulte, Schalter, Hocker, Sitzbänke, Sessel, Schreibtische, Kleiderschränke, Etageren, Safes, alles wurde von ihm entworfen. Die Materialien wie auch die Konstruktionsweise wurden aufgrund seines Kostenbewusstseins auf größtmögliche Haltbarkeit hin ausgewählt.

Darüber hinaus benützte Wagner den bewußten Materialeinsatz zur Definition hierarchischer Strukturen. Drei unterschiedliche Bereiche waren einzurichten: der öffentliche Parteienverkehr, die Repräsentationsräume der Direktoren und die interne Manipulation.

Anhand der verschiedenen Ausführungen des Armlehnstuhls (Thonet Modell Nr. 6516) ist dies am deutlichsten ablesbar. Im Direktionsbereich ist der Stuhl aus mahagonigebeiztem massivem Buchenholz, der Sitz ist mit Velours gepolstert, die hohen Fußmanschetten sind in Messing ausgeführt. Eine hierarchische Ebene darunter findet sich das gleiche Modell grau gebeizt, Armlehnen und Füße sind mit Aluminiumbeschlägen und -manschetten versehen. Sie sind dadurch gegen Abnützung geschützt, gleichzeitig wird damit aber auch die Kostbarkeit des Geschützten und dessen Kunstwert betont.

Die einfachste Ausführung, die in den Kleinen Büros eingesetzt wurde, weist eine Sitzfläche aus perforiertem Sperrholz auf.

Zu den Höhepunkten der Wiener Möbelgeschichte gehört Otto Wagners Postsparkassenhocker, der im Großen Kassensaal Verwendung findet. Aus fünf einzelnen Bugholzrahmen zusammengefügt, mit einem Sitz aus perforiertem Sperrholz, war er billig in der Herstellung (10,50 Kronen) und einfach in der Konstruktion. Die Schraublöcher wurden mit Aluminiumscheiben abgedeckt, betonen die Konstruktion und sind gleichzeitig Dekorelement, das das Materialschema des Gebäudes aufnimmt.

Das Farbschema des Gebäudes – Weiß, Grau, Schwarz, Silber – wird nur in den Repräsentations-räumen durchbrochen: hier herrschen Rot (Direktionszimmer) und Grün (Empfangsräume). Diese Räume sind mit 2,20 m hohen Täfelungen verkleidet, die Wand darüber mit gestreiften Stofftapeten in der jeweiligen Zimmerfarbe. Auf den Parkettböden lagen Teppiche, die von der Fa. Joh. Backhausen nach Entwürfen Wagners angefertigt wurden.
Heute noch erhalten ist der graue Originalteppich im Großen Sitzungssaal mit einer imposanten Größe von 11,10 x 5,50 Metern.

Die Materialien

Bereits 1895, in seinem Werk „Moderne Architektur, erläutert Otto Wagner die Vorteile der modernen Fassadenverkleidung gegenüber der traditionellen Baumethode aus „Steinschichten“ und „Steinblöcken“, die „an die Bauweise der alten Römer“ erinnern. Die Stein- und Marmorplatten der Fassade der Postsparkasse mußten hauptsächlich wegen der Raschheit, mit der zu bauen war, angenagelt werden. 17.000 Nägel aus Eisen, mit Blei verkleidet und Aluminium überzogen, wurden dafür verwendet.

Auch für die Konstruktion und den Innenausbau verwendete Wagner die damals modernsten technischen Lösungen. Der große Mittelhof über dem Kassensaal ist weiß verkachelt. In den vom Publikum benutzten Räumen, Gängen und Stiegen sind die Wände mit Marmor und Glas belegt. Sämtliche Büros sind einfach weiß gestrichen, nur die unteren Partien der Wände sind durch Holzleisten und dunklere Tapeten geschützt. Der Bodenaufbau stellt ebenso eine gewagte neue Lösung dar:

Auf die rohe Betondecke wurde direkt eine Schicht Asphalt aufgetragen und in diesem noch weichem Material ein Eichenbrettelboden sozusagen klebend verlegt. Bei der Verwendung des Linoleums als Bodenbelag betont Wagner dessen leichte Auswechselbarkeit, und verlegt ihn vertieft, um Stolperfallen zu vermeiden, in einen Rahmen aus „Granitto“, einer Terrazzoversion.

Die Verwendung eines Glasprismen-Fußbodens im Kassensaal, um die darunter befindlichen Räume zu belichten, erscheint Wagner geradezu selbstverständlich. Er verweist in der Beschreibung dessen nicht nur auf die Realisierung in der von ihm geplanten k. k. priv. österr. Länderbank, sondern auch auf französische Beispiele von Banken, „in welch letzterem Glasfußböden sogar durch 2 Stockwerke mit Erfolg verwendet werden“.